Mehr KI, weniger Freizeit?
Von Oliver Schmalzl
15.10.2026
Viele hoffen, dass KI uns Arbeit abnimmt. Die Vier-Tage-Woche scheint greifbar. Ein Instagram-Post von @dopameme.co hält dagegen: Das Produktivitätsparadox der KI sagt eher das Gegenteil voraus.
Die Geschichte vom Ackerbau
Der Post erinnert an die Erfindung der Landwirtschaft. Damals, so die Erzählung, dachten die Menschen: einmal säen, für immer essen, endlich ausruhen. Stattdessen hätten Jäger und Sammler weniger Stunden gearbeitet und seien gesünder gewesen als die ersten Bauern.
Ob das im Detail stimmt, ist unter Fachleuten umstritten. Der Kern ist trotzdem bekannt: Wenn Arbeit schneller geht, wird oft nicht weniger gearbeitet. Es wird mehr erwartet.
Wer bezahlt das alles?
Ein zweiter Post stellt die Geldfrage. Er stützt sich auf eine Studie von Stijn Van Nieuwerburgh (Columbia Business School), erschienen bei der Brookings Institution. Sie schätzt die Investitionen in KI-Infrastruktur in den USA von 2025 bis 2032 auf rund 10,3 Billionen Dollar. Das sind im Schnitt etwa 3,6 Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr. Eine Fassung derselben Arbeit beim NBER kommt auf knapp 9 Billionen.
Gemeint sind Rechenzentren, Stromversorgung, Netze und Chips. Relativ zur Wirtschaft wäre das mehr als frühere große Ausbauwellen wie Eisenbahn, Elektrifizierung oder Autobahnen. Die Studie warnt: Ein wachsender Teil wird über Kredite und verschachtelte Finanzierungen bezahlt. Das macht Risiken schwerer sichtbar.
Damit sich das rechnet, muss KI sehr viel Geld verdienen. Und dieses Geld kommt am Ende von uns: von Firmen, Kunden, Arbeitsplätzen.
Zwei mögliche Enden
Wie weit kann das gehen? Das Szenario AI 2027 beschreibt eine Zukunft, in der KI innerhalb weniger Jahre übermenschlich leistungsfähig wird. Geschrieben haben es Daniel Kokotajlo und Kollegen, veröffentlicht im April 2025. Es gibt zwei Enden: eines mit Verlangsamung, eines mit Wettrennen. Die Autoren betonen selbst, dass 2027 kein fester Termin ist.
Man muss das Szenario nicht glauben. Es hilft aber, die eigenen Annahmen zu prüfen.
Was ich daraus mitnehme
KI macht mich schneller. Ob ich dadurch mehr Zeit habe, entscheidet nicht die KI. Das entscheide ich – oder jemand anderer für mich.
Ein schöner Gedanke dazu kam mit einem weiteren Post: Ein Leben hat rund 4.700 Wochen. Die Frage ist nicht, wie viel KI davon spart. Die Frage ist, wofür ich die gesparte Zeit nutze.
Quellen: Instagram @dopameme.co · Instagram @askesium · Brookings: Financing the AI Buildout · NBER Working Paper 35865 · AI 2027 · Instagram @schraffuren